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1800

Schöneberg wächst

Die nördlich an Schöneberg angrenzende Kolonie Böhmerberg trägt nun den Namen "Neu-Schöneberg".

Im Jahr 1800 haben Alt- und Neu-Schöneberg zusammen 278 Einwohner, welche »in 50 Feuerstellen« wohnten.

1838

21. September Erste Eisenbahnverbindung zwischen Berlin und Potsdam

Als erste Eisenbahnlinie Preußens eröffnet die von Privataktionären finanzierte Berlin-Potsdamer-Eisenbahngesellschaft mit einer Probefahrt vom neuerrichteten Potsdamer Bahnhof nach Zehlendorf ihren Betrieb. Die gesamte, etwa 26 km lange Strecke nach Potsdam, dem Sommersitz des Königlichen Hofes, wird am 29. Oktober fertiggestellt.

Zur offiziellen Einweihungsfahrt um 12 Uhr mittags erscheinen neben Ministern und anderer Prominenz auch die königlichen Prinzen. Zwiespältig ist die Haltung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. Er lässt sich nicht zur Teilnahme an der Fahrt bewegen: »Kann mir keine große Seligkeit davon versprechen, ein paar Stunden früher von Berlin in Potsdam zu sein«.

1840

Erste Pferdeomnibuslinie in Berlin

Zwischen Alexanderplatz und dem Potsdamer Bahnhof wird eine Pferdeomnibuslinie mit drei Wagen in Betrieb genommen.

Die Eröffnung dieser ersten Linie dient dem Anschluss an den Eisenbahnverkehr zwischen Berlin und Potsdam. Sie bildet den Anfang der Entwicklung eines innerstädtischen Massenverkehrsmittels. Bereits 1846 erhält die "Concessionirte Berliner Omnibus-Compagnie" die Betriebserlaubnis für fünf weitere Strecken.

1848

März Märzrevolution

Als Folge der französischen Februarrevolution kommt es in Berlin zu politischen Versammlungen und Demonstrationen, die sich aufgrund der reaktionären Haltung König Friedrich Wilhelms IV. und der preußischen Obrigkeit zu einem gewalttätigen Aufstand und Barrikadenkämpfen entwickeln, die 260 Todesopfer fordern.

1854

5. Dezember Erfindung der Litfaßsäule

Der Berliner Buchdrucker und Verleger Ernst Theodor Amandus Litfaß erhält vom Berliner Polizeipräsidenten eine Konzession »zur Errichtung einer Anzahl von Anschlagsäulen auf fiskalischem Straßenterrain zwecks unentgeltlicher Aufnahme der Plakate öffentlicher Behörden und gewerbsmäßiger Veröffentlichungen von Privatanzeigen«.

Am 1. Juli 1855 wird die erste Anschlagsäule aus Eisenblech eingeweiht. Die Säulen werden bald zu einem Wahrzeichen Berlins. Heute stehen in Berlin etwa 3.440 Litfaßsäulen

1858

Palmenhaus im Botanischen Garten

In Schöneberg wird im "Königlich Botanischen Garten" das Große Palmenhaus fertiggestellt.

1861

1. Januar Berlin dehnt sich aus

Durch die sogenannte "große Eingemeindung" der Vororte Wedding, Moabit und Gesundbrunnen sowie der Schöneberger und Tempelhofer Vorstadt verdoppelt sich das Gebiet Berlins annähernd von 3511 auf 5923 ha.

1862

18. Juli Genehmigung des "Bebauungsplans der Umgebungen Berlins"

Der "Bebauungsplan der Umgebungen Berlins" unter Einbeziehung Charlottenburgs ist von König Wilhelm I. und dem Berliner Polizeipräsidenten genehmigt worden.

Autor dieses Plans ist der 33jährige Baurat und Kanalisationsfachmann James Hobrecht. Veranlassung für den Auftrag ist das schnelle Anwachsen der Bevölkerung. Durch einen Gesamtplan soll eine geregelte städtebauliche Entwicklung eingeleitet werden, die Berlin als Haupt- und Residenzstadt ausweist. Etwa 700  ha größtenteils unbebaute Fläche stehen zur Verfügung: Die "Berliner Hufen", Moabit und Wedding sowie Teile der Feldmarken von Schöneberg, Tempelhof und Rixdorf.

1865

Friedenau entsteht

Der Hamburger Kaufmann Johann Anton Wilhelm von Carstenn kauft in den Vororten Berlins die Güter Giesensdorf, Lichterfelde und Wilmersdorf, um darauf Landhauskolonien nach englischem Vorbild zu errichten.

Durch den Baumeister Johannes Otzen lässt er für die Feldmark der Gemarkung des Rittergutes Deutsch-Wilmersdorf südwestlich von Schöneberg einen einheitlichen Bebauungsplan erstellen, dessen Symmetrie noch heute im Stadtbild deutlich zu erkennen ist: Die Mittelachse wird von einer durchgehenden Prachtstraße gebildet, um die sich in weitem U-Bogen eine Erschließungsstraße schwingt. Im südlichen Bereich ist sie mit zwei kleineren Rundplätzen versehen, im nördlichen Bereich mit zwei großen Grünanlagen als Abschluss. Besonderes Gewicht wird auf die Bepflanzung von Straßen und Vorgärten gelegt.

1871

Mai Aufruf des Volkswirtschaftlers und Schriftstellers David Born

In der Vossischen Zeitung erscheint ein Aufruf des Volkswirtschaftlers und Schriftstellers David Born, durch den das Siedlungsprojekt auf dem Wilmersdorfer Gutsacker der Öffentlichkeit bekanntgemacht wird. Im künftigen "Frieden’au" sollen »keine Fabriken, keine hochstöckigen Wohnhäuser oder Proletarierwohnungen gebaut werden, so dass es besonders Beamten, Pensionierten, Lehrern, Künstlern, Literaten und allen denen, deren Einkommen nicht so rasch und in gleichem Maße als die Wohnungsmiete steigt, angelegentlich empfohlen wird«.

Die Landhauskolonie "Frieden’au" ist nicht mehr nur Idee.

Der Name leitet sich ab vom Frankfurter Frieden, der den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 beendete.

9. Juli Gründung des "Landerwerb- und Bauvereins auf Aktien"

Der "Landerwerb- und Bauverein auf Aktien" unter der Direktion von David Born wird gegründet. Der Verein erwirbt von Carstenn für 28.000 Taler eine Fläche von 11 Hektar südöstlich der Berlin-Potsdamer Chaussee. Dieses Areal wird in 95 Parzellen aufgeteilt. Die zwischen 900 und 2.200 qm großen Grundstücke werden den Mitgliedern für 25 bis 30 Mark pro Quadratmeter incl. Erschließungskosten überlassen. Noch im selben Jahr werden weitere 86 Morgen von Carstenn hinzugekauft.

10. November Richtfest in Friedenau

Das Richtfest der ersten beiden Friedenauer Häuser in der heutigen Dickhardtstraße 4 und 6 wird gefeiert. Das zuerst besiedelte Gebiet Friedenaus liegt zwischen Kaisereiche und Dickhardtstraße.

1872

April Die ersten Häuser in der Dickhardtstraße werden bezogen

Oktober Friedenau hat 120 Einwohner in 25 Haushaltungen

Es sind zwölf Häuser fertiggestellt, 42 im Bau.

1873

Oktober Friedenau zählt 44 Häuser mit 120 Haushaltungen und 540 Einwohnern

Friedenaus Straßen werden von 54 Petroleumlaternen beleuchtet.

1874

1. November Der Haltepunkt "Friedenau" der Berlin-Potsdamer Eisenbahn wird eröffnet

9. November Friedenau wird Amtsgemeinde

Friedenau wird nach Genehmigung durch "Allerhöchste Kabinettsorder" selbständige Amtsgemeinde.

1875

Benennung des Lauterplatzes in Friedenau im Zuge der Berlin-Potsdamer Chaussee

1876

Gründerkrach

Durch den "Gründerkrach" geht der "Landerwerb- und Bauverein auf Aktien" in Konkurs, die Bautätigkeit in Friedenau stagniert bis 1880.

1877

15. November Vollendung der Ringbahn

Als letztes Teilstück des nunmehr ganz Berlin umrundenden Schienengürtels wird der westliche Abschnitt der Ringbahn zwischen Schöneberg, Grunewald und Moabit feierlich eröffnet.

Die Ringbahn, mit deren Bau 1867 begonnen wurde, soll als Verbindung zwischen den Berliner Vororten dienen. Ihr erstes Teilstück, welches Moabit, Stralau und Schöneberg auf östlicher Seite miteinander verbindet, wurde 1871 in Betrieb genommen.

1879

22. März Pflanzung der Kaisereiche

Zur Erinnerung an die Goldene Hochzeit des Kaiserpaars wird am 82. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I. am damals sogenannten Rondell, der Kreuzung der heutigen Rhein-, Ecke Saar- und Schmiljanstraße, die "Kaisereiche" gepflanzt.

Obwohl der damaligen Platzgestaltung mit halbkreisförmiger Mittelinsel - über den Volksmund hinaus - eine offizielle Namensgebung zugestanden hätte, kam es nie zu einer amtlichen Benennung.

Bei der heutigen, verkehrsumtosten Eiche handelt es sich um eine Nachpflanzung vom 10. November 1883. Der Originalbaum war einem Protest gegen die Sozialistengesetze Bismarcks zum Opfer gefallen.

1881

1. April Berlin wird eigener Stadtkreis

Berlin scheidet aus der Provinz Brandenburg aus und bildet von nun an einen eigenen Stadtkreis.

Bauboom in Friedenau

Friedenau erhält neue Bauimpulse durch den "Verein für Beschaffung billiger Wohnhäuser". Diese Grundbesitzer erbauen Villen aus rohen Backsteinen und werden als "Rohbauern" bezeichnet - im Gegensatz zu den ersten Ansiedlern, die wegen ihrer verputzten Häuser "Putzbauern" genannt werden.

20. Mai Der Friedhof Stubenrauchstraße wird eingeweiht

1884

Gemeindewappen für Friedenau

Friedenau erhält sein Gemeindewappen: Es zeigt einen goldenen Friedensengel mit einem Palmzweig in der Rechten auf blumiger Aue vor blauem Hintergrund.

1885

Benennung der Berlin-Potsdamer Chaussee

Der südwestlich aus dem Schöneberger Dorfkern herausführende Teil der Berlin-Potsdamer Chaussee wird bis zur Gemarkungsgrenze zu Friedenau als "Friedenauer Straße" bezeichnet.

Friedenau hat 2.137 Einwohner in 174 Häusern.

1891

1. Oktober Eröffnung der Vorortbahn nach Potsdam (Wannseebahn)

Nach vierjähriger Bauzeit wird eine weitere, zweigleisig ausgebaute Schienenverbindung zwischen Zehlendorf und Potsdam ihrer Bestimmung übergeben. Zugleich wird in Berlin der neuausgebaute Wannseebahnhof, neben dem Potsdamer Bahnhof, am Potsdamer Platz eingeweiht.

Die bereits 1874 eröffnete Zugverbindung zwischen Berlin und Zehlendorf hatte einen so starken Fahrgastansturm zu verzeichnen, dass die Linie –zur Trennung von Vorort- und Fernverkehr- ebenfalls bis 1891 viergleisig ausgebaut werden musste.

Berlins erste selbständige Vorortbahn bietet eine schnelle Direktverbindung nach Potsdam im 20-Minuten-Takt. Die neue Wannseebahn verbindet die Vororte Friedenau, Steglitz, Lichterfelde, Zehlendorf, Schlachtensee und Nowawes-Neuendorf (heute Babelsberg). Die starke Zunahme der Einwohnerzahl Berlins – die 2-Millionen-Grenze ist fast erreicht – und der entsprechend wachsende Pendlerverkehr zwingen die Verwaltung der Reichshauptstadt in immer stärkerem Maße zur Einrichtung von Vorort-Erschließungsbahnen.

1891

22. Dezember Gasbeleuchtung in Friedenau

Friedenaus Straßen erhalten Gasbeleuchtung.

1892

12. Januar Die Rubensstraße erhält ihren Namen

Sie wird benannt nach Peter Paul Rubens, dem flämischen Maler. Ebenso benannt wird der von Rembrandt, Begas- und Cranachstraße begrenzte Dürerplatz nach dem Nürnberger Maler und Grafiker Albrecht Dürer.

1893

13. Juni Einbeziehung der Friedenauer Straße

Die Friedenauer Straße wird zwischen Mühlenstraße und Ringbahn namentlich in die Hauptstraße einbezogen

1894

1. März Friedenau wird eigenständig

Friedenau wird eigener Amtsbezirk. Eingemeindungsbestrebungen mit Schöneberg scheitern am Widerstand des Kreises Teltow, dem an einer Ausgliederung einzelner Gemeinden nicht gelegen ist.

1897

Verlegung des Botanischen Gartens

Der Botanische Garten wird von Schöneberg nach Dahlem verlegt. Das Gelände in Schöneberg wird in einen öffentlichen Park umgewandelt und erhält später den Namen "Heinrich-von-Kleist-Park".

Das Große Palmenhaus wird 1910 gesprengt.

1899

Friedenau hat 10.000 Einwohner

Der 10.000ste Einwohner Friedenaus wird registriert.

Friedenau besitzt ein Netz gepflasterter Straßen von 9.000 Meter Länge.

1. April Schöneberg wird Stadt

Schöneberg erhält Stadtrechte. Der Ort erlebt diesen Höhepunkt seiner 600jährigen Geschichte zu einem Zeitpunkt, als sich die Bevölkerungszahl der 100.000er Marke nähert. Noch 1871 war es ein Dorf von 4.500 Einwohnern.

Die Gemeindevertretung Schönebergs diskutiert schon seit langem darüber, ob eine Eingemeindung nach Berlin vielleicht vorteilhafter sei als die Erhebung zum eigenen Stadtkreis. Die seit August 1890 geführten Verhandlungen mit dem Berliner Magistrat verlaufen jedoch schleppend.

Im Februar 1893 beantragt Schöneberg daraufhin erstmals die Verleihung des Stadtrechts. Man wird zunächst unter Hinweis auf den Fortgang der Eingemeindungsverhandlungen hin vertröstet, bis dann im Juli 1893 die Entscheidung des Berliner Magistrats fällt, Schöneberg teilweise, aber eben nicht als ganzes nach Berlin einzugliedern.

Hiermit ist die Gemeindevertretung Schönebergs nicht einverstanden. Die Ortsverwaltung von Schöneberg verweigert jetzt auch dem Berliner Magistrat alle Auskünfte bezüglich einer Eingemeindung.

Am 17. Mai 1897 erfolgt dann endlich der "Allerhöchste Erlaß", Schöneberg dürfe ab 1. April 1898 Stadtrechte ausüben. Der Minister des Innern vollzieht den Erlass zögerlich, so dass Schöneberg erst ein Jahr später aus dem Landkreis Teltow ausscheiden und einen eigenen Stadtkreis bilden kann. Erster Schöneberger Bürgermeister wird der liberale Stadtrat im Berliner Magistrat Rudolph Wilde.

7. August Schöneberg darf eigenes Wappen führen

Durch "Allerhöchsten Erlaß" wird Schöneberg das Recht zur Führung eines eigenen Wappens gewährt. Es hatte in der genehmigten Form im Wesentlichen Bestand bis zum Ende des Jahres 2000.

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